Deutscher Alpenverein, Sektion Dortmund e.V.

Bernina 2010 – Zwischen Sonne und Regen, Genusstour und harter Ausbildung

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Bernina 2010 – Zwischen Sonne und Regen, Genusstour und harter Ausbildung

An einem sonnigen Julimorgen scharten sich acht erwartungsvolle Hochtourenaspiranten um die beiden Ausbildungsleiter Peter und Henry, um die Bernina-Gruppe zu erkunden. Von Pontresina aus spazierten wir gemütlich zur ersten Hütte Fuorcla Surlej und nach kurzer Kaffeepause ging’s schon los: Ausrüstungskontrolle, Übungen zur Trittsicherheit in steilem Gelände, Abklettern und alles, was das Herz sonst noch begehrt, wenn einem ein eiskalter Wind heftig um die Ohren fegt.

Abends begann der Gulasch-Hattrick, denn an drei aufeinander folgenden Tagen sollte uns Gulasch in verschiedenen Variationen sättigen. So abwechslungsreich das Abendessen, so karg das Frühstück: Jede Scheibe Brot, jeder Löffel Marmelade und jeder Käsekrümel mussten hart erkämpft werden.

Weiter ging es zur Chamanna Coaz und auf dem Hausgletscher gab es die erste Eisberührung und Training in Sachen Spaltenbergung.

Passend zur ersten Gipfelbesteigung am folgenden Tag wurde das Wetter schlechter. Im dichten Nebel, dem Kompass folgend, stiegen wir auf den Il Chapütschin, wobei wir unsere neuen Kenntnisse gleich in die Tat umsetzen konnten.
Der Hüttenwechsel am nächsten Tag brachte bei schönstem Wetter Bergidylle pur. Handzahme Murmeltiere, ein plätschernder Gebirgsbach und eine traumhafte Aussicht auf die schneebedeckten 4000er sorgten bereits nach 45 Minuten für eine eineinhalbstündige Pause. So ausgeruht waren wir bereit für das nächste Abenteuer: die Durchquerung zweier eiskalter, reißender Gletscherbäche. Das hieß: Schuhe aus, Hose aus oder nass, Zähne zusammenbeißen und durch, aber gut gesichert am Seil.

Wegen des erneuten Wetterwechsels fiel der nächste Gipfel ins (Regen-)Wasser. Dafür gab es Spaltenbergungsausbildung auf dem Gletscher. Im strömenden Regen hatten wir eher das Gefühl, Wasserrettung statt Bergrettung zu üben. Dafür zeigten sich aber bei der Nässe die verschiedensten Granite in ihren schönsten Farbkombinationen. Leider waren sie als Urlaubsmitbringsel ungeeignet. Unsere nachmittäglichen Aktivitäten verlegten wir in die Hütte, hingen vom Deckenbalken ab, retteten uns selbst freihängend nach oben oder ließen uns mit dem Schweizer Flaschenzug statt aus einer Gletscherspalte über den Fußboden schleifen.

Weil sich die Wetterverhältnisse weiter verschlechterten, verzichteten wir auch am nächsten Tag auf die Gipfeltour. Stattdessen schauten wir uns zum Abschluss die dichten Wolken und Regenschauer über der Bernina lieber bei einem leckeren Stück Rüblitorte aus einem Café in Pontresina an.

Unser Fazit: So wechselhaft wie das Wetter waren auch unsere Aktivitäten. Die Ausbildungsleiter konnten ihr Improvisationstalent unter Beweis stellen und trotz ausgefallenem Gipfel hatten wir alle viel Spaß.

Christina und Matthias Köster