Deutscher Alpenverein, Sektion Dortmund e.V.

Zweisektionenskitour im Sellrain

Schon wieder sitzen Heinz und ich auf der Sonnenterasse des Sporthotels Antonie in Gries und genießen die Ruhe und das leckere Essen. Es liegen 8 grandiose Skitourentage im Sellrain- und Nebentälern hinter uns. Mit Sonnenschein, Neuschnee, Nebel und Wolken war alles dabei. Doch der Reihe nach.

Die Anfahrt machen Heinz und ich im ÖBB Nightjet von Düsseldorf. Zu zweit im 6er Abteil lässt es sich gut ausstrecken, sodass wir überraschend ausgeschlafen in Innsbruck ankommen. Mit dem kostenlosen Skibus geht es dann ins Sellraintal, wo wir unseren ersten Stop auf der Sonnenterasse des Hotels einlegen, um auf den zweiten Bus und auf Bernd und Horst zu warten, die mit dem Auto anreisen. Mit viel (Vor-)Freude treffen wir auf die beiden, just nach unserer Ankunft in Lüsens. Der Aufstieg versüßt uns die Materialseilbahn, jedoch erwarten uns mit einer vereisten Buckelpiste und einem steilen Anstieg zum Westfalen-Haus doch kleinere Herausforderungen. Die Hüttenleute sind freundlich und das Essen solide. Angenehm ist auch, dass wir fast die einzigen Gäste sind.

Auf Anraten des Hüttenwirtes steht für uns am nächsten Tag der Längentaler Weißerkogel 3217m, auf dem Programm. Die Tour beginnt nach einer kurzen Abfahrt mit einem sanften Aufstieg durch das Längentaler Tal, welches seinem Namen alle Ehre macht. Obwohl wir in der Nachbetrachtung vielleicht nicht die idealste Aufstiegsspur gefunden hatten, kommen wir gut voran und freuen uns schon auf die Abfahrt, da der Schnee gut zu sein scheint. Erst 200 Höhenmeter (HM) vor dem Gipfel wird es steil, ziemlich steil. Heinz bleibt zurück, um nicht zu erschöpft für die Abfahrt zu sein. Ich gehe voraus, weiß aber nichts von meiner Aufgabe in dem fast 40° steilen, eisigen Gelände die Spur zu ebnen und rutsche nur immer wieder auf dem Eis nach unten. So wird es nichts mit dem Aufstieg mit den Skiern und wir schnallen ab und gehen die letzten 50 HM zu Fuß, wobei wir wirklich hart treten müssen, um Stufen ins Gelände zu schlagen. Zuletzt erwartet uns nur noch Blockgrat und Eis. Glücklich kommen wir auf dem Gipfel an, der uns einiges an Mut und Kraft gefordert hat. Nachdem wir den eisigen Gipfelhang in der Abfahrt überwunden haben, erwarten uns ca. 6 Kilometer feinster Abfahrt. Immerhin knapp 1200 Höhenmeter sind wir aufgestiegen.

Am nächsten Tag ist der Himmel bewölkt, weswegen ich denke es wird kälter; doch weit gefehlt. Nachdem ich mich fast aller Schichten entledigt habe, schwitze ich noch immer in diesem Nebel. Da die Sicht nicht besser wird und wir die Konturen des Schnees nicht erkennen können, drehen wir um und machen uns auf zur Abfahrt ins Tal. Der Schnee ist nicht mehr so gut wie am Vortag, jedoch ist die eisige Buckelpiste vom Sonntag eine viel kleinere Herausforderung als gedacht und macht zuweilen sogar Spaß. Unten angekommen, zwängen wir uns zu viert auf drei Autositze eines Kleinwagens um nicht auf den Bus warten zu müssen. So lernt man sich auch etwas näher kennen! Da wir noch viel Zeit haben, statten wir dem Hotel Antonie wieder einen Besuch ab und genießen Suppe und Sahnetorte. Die Dortmunder Hütte lässt sich danach prima mit Bus und Auto erreichen.

Weil sich das Wetter immer noch nicht gebessert hat, starten wir nach einem kurzen Abstecher in den Nebel zu einer kleinen Verlegenheitstour auf den Faltegartenkögele, 2194m. Horst kränkelt etwas und bleibt zuhause; dafür bekommen wir Zuwachs mit Christoph, den wir auf der Hütte kennengelernt haben. Die Sicht ist hier viel besser, da wir durch den Wald aufsteigen und zuweilen lässt es sich doch beträchtlich weit schauen. Nach einem zweistündigen Aufstieg, erwartet uns, unerwartet, eine wunderschöne Neuschneeabfahrt. Nicht lange- aber dafür umso schöner. Getoppt wird die Tour dann nur noch von einem überaus leckeren Kaiserschmarrn, mit nicht allzu vielen, getrennt geschlagenen Eiern, hübsch karamellisiert und mit viel Apfelmus und Puderzucker. Abends auf der Hütte stößt endlich auch Paul zu uns, der noch beruflich zu tun hatte.

Nach dem Wettertief folgt das Hoch, jedoch ist mit dem Neuschnee auch die Lawinengefahr auch auf 3 gestiegen, sodass wir uns für den etwas gemütlicheren Wetterkreuzkogel, 2578m entscheiden. In 1a Kaiserwetter, nun zu fünft, steigen wir durch eine wunderschöne Winterlandschaft auf; erst durch eine Buckelpiste und später dann durch offenes Gelände im Wörgetal. Der Aufstieg ist bis auf die letzten Meter zum Gipfel sehr entspannt und wir kommen sogar als eine der ersten Gruppen an dem beliebten Gipfel an, von dem sich das Skigebiet Hochoetz, Ötz und das Inntal bestaunen lässt. Nun sollen für mich die schönsten Abfahrten der ganzen Woche folgen, mit prima Neuschnee, Sicht und ausreichend steilen Hängen. Sogar die Buckelpiste bereitet den meisten von uns viel Spaß und einige „James-Bond-Kurven“ lassen sich durch die schmalen Wege ziehen. Einen schönen Abschluss für unsere Zeit auf unserer Sektionshütte bringt der Besuch im Forellenhof.

Am nächsten Tage verlassen wir bereits die Dortmunder Hütte in Richtung Pforzheimer Hütte, wo wir uns mit den Skibergsteigern vom DAV Ulm verabredet haben. Der Anstieg ist zwar lang, jedoch wenig steil sodass wir bereits gegen Mittag auf der Hütte ankommen. Da unser Tourenleiter Bernd nicht zu bremsen ist, kann er Paul und mich noch motivieren auf den Samerschlag, 2752m zu steigen, der sich wie ein entspanntes Nachmittagsprogramm liest. Als wir jedoch die ersten flachen Passagen durchstiegen sind, folgt ein Steilhang dem auch nicht mehr mit Spitz-(oder doch eher Kick?) kehren beizukommen ist, sodass wir den Gipfel zu Fuß erreichen. Zum Teil stecken wir bis zum Oberschenkel in Schnee und erreichen fast bei Sonnenuntergang glücklich und zufrieden den Gipfel. Da die Zeit drängt, bleibt nur wenig Zeit und wir machen uns schon auf den Rückweg, der sich als der steilste in Pauls Skibergsteigerkarriere herausstellt. Ohne Probleme überwinden wir alle den steilen Gipfelhang und fahren über einen überaus langen Seitenhang mit Blick auf die Hütte ab. Bravo, eine geniale Tour. Mit dem Hüttenanstieg sind es laut Karte etwas über 1300 HM Aufstieg gewesen.

Am Abend treffen wir auf die Teilnehmer der Sektion Ulm, die uns in Zahl, Muskeln und Erfahrung weit zu übertreffen scheinen. Doch wir lassen uns nicht einschüchtern und freuen uns auf die gemeinsamen Touren. Wie bereits im Wetterbericht vorhergesagt, hat sich das Wetter wieder zugezogen, sodass wir mit schlechter Sicht in drei Gruppen losziehen. Das erste Mal mit Zwei Gipfeln als Ziel. Jedoch merken wir schnell, dass sich die Verhältnisse aufgrund vom Wind sehr verschlechtern haben, sodass wir vor dem Gipfel der Südlichsten Sonnenwand durch eine große Abrisskante und schlechte Lawinenverhältnisse gezwungen sind umzukehren. Der Schnee ist so pappig, dass einige trotz Schusshaltung nicht vom Fleck kommen, da der Schnee stark stollt. Die Roßkarscharte, 3053m erscheint den Führern sicherer, sodass sich die ganze Mannschaft mit jeweils 10 Meter Abstand in den Hang begibt. Da wir fast 20 Mann sind, bevölkern wir so fast den ganzen Hang. Später soll die der Hang mal als Abfahrts-Highlight bezeichnet werden sollen, dem ich mit meinen Tiefschneekenntnissen jedoch nicht viel abgewinnen kann. Doch zum Glück sind auch die Ulmer keine Übermenschen und wir machen uns nach einer kurzen Pause auf zur Hütte. Den restlichen Nachmittag versüßen wir uns mit einer ausführlichen LVS-Suchübung.

Da das Wetter weiterhin keine Besserung zeigt, verzichten wir auf eine Überquerung ins nächste Tal und nehmen wieder den Samerschlag ins Visier, den wir teilweise bereits am Freitag bestiegen haben. Da auch hier die Verhältnisse keine Gipfelbesteigung zulassen, kehren wir auf einem Sattel um. Der Wind weht hier so stark, dass Handschuhe durch die Luft fliegen und jeder Handgriff zum Drahtseilakt wird. Glücklich, dem Sturm entkommen zu sein, fahren wir eine schöne Abfahrt zur Hütte und danach ins Tal. Als wir unten am Parkplatz ankommen, sieht es oben in den Bergen alles friedlich und ruhig aus, sodass wir uns schon fragen ob eine Überquerung nicht doch möglich gewesen wäre. Doch einmal im Tal genießen wir jetzt die warme Suppe und leckere Sahnetorte im Hotel Antonie.

Nun sind alle Teilnehmer bereits auf dem Heimweg und nur Heinz und ich bleiben zurück, da unser Zug von Innsbruck erst abends losfährt. Wir überdenken die schöne Zeit bei Burger und Braten und freuen uns bereits auf Zuhause. Heinz hat die mutige Idee die Hausherren zu fragen, ob wir uns im Saunabereich frisch machen dürfen für die Fahrt und siehe da: wir dürfen! Glücklich und zufrieden entledigen wir uns der stinkenden Skiklamotten und genießen im Liegestuhl die Aussicht auf das Sellraintal und seine schönen schneebedeckten Berge. Sauber und wohlriechend verlassen wir das Hotel und fahren mit dem Bus nach Innsbruck und rollen von dort in die Nacht hinein… Ich danke Bernd für die umsichtige Tourenführung sowie seine Gipfellust und kann mir sehr gut vorstellen, bald mal wieder mit unserer Truppe auf Tour zu gehen!

Julius

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