Gruppe von Wanderern | © DAV Dortmund

Teamgeist, Twin-Konzept

...und Lager für 18 Personen

14.10.2026

Twin-Konzept? Dahinter steckt eine ebenso einfache wie überzeugende Idee: Auf jeder Etappe werden zwei Varianten angeboten, eine gemütlichere und eine anspruchsvollere, jeweils geführt von einem eigenen Wanderleiter. Perfekt für Paare und Gruppen, bei denen Kondition, Bergerfahrung oder schlicht die Tagesform nicht immer synchron verlaufen. Nachmittags treffen sich dann alle wieder auf der Terrasse der nächsten Hütte, wo die Gipfelstürmer ihre Heldengeschichten erzählen, und die Genießer berichten können, warum ihre Variante eigentlich die bessere war.

Für dieses Konzept bietet das Sellrain nahezu ideale Voraussetzungen. Die direkten Verbindungen zwischen den Hütten dauern meist nur drei bis fünf Stunden und umfassen etwa 500 bis 800 Höhenmeter. So bleibt ausreichend Spielraum für zusätzliche Gipfel oder lohnende Umwege. Das erstmals auf einer Sektionstour angebotene Twin-Konzept kam bei allen Teilnehmern hervorragend an und war für einige sogar der ausschlaggebende Grund für die Anmeldung.

Startpunkt der Rundtour war am 24. August 2026 die Dortmunder Hütte. Beziehungsweise, nach einer kurzen Fahrt mit dem Wandertaxi, Praxmar. Ein besonderer Dank geht an Monika für den Kaiserschmarrn am Vorabend, der die Messlatte für die Tour kulinarisch direkt sehr hoch legte. Die erste Etappe führte bei bestem Wetter zum Westfalenhaus. Die anspruchsvollere Variante über das äußere und innere Schwarzjöchl machte dabei schnell deutlich, dass der in der Vorbesprechung eingeforderte Teamgeist gelegentlich auch tatsächlich gebraucht wurde.

Dass das Westfalenhaus wenige Tage nach unserem Aufenthalt kurzfristig wegen „dringender baulicher Maßnahmen“ schließen musste, war überraschend. Unsere Gruppe traf jedenfalls keinerlei Schuld. Alle Teilnehmer, darunter auch einige Erstbesucher von AV-Hütten, hielten sich vorbildlich an die zahlreichen Regeln des Hüttenlebens.

Am nächsten Morgen hatte der Wettergott sein Versäumnis offenbar erkannt und zeigte sich wieder von seiner freundlichsten Seite. Von der Winnebachseehütte führte die Route über das Zwieselbachjoch (2.868 m) zur Schweinfurter Hütte. Die vierte und letzte Etappe brachte uns über die Finstertaler Scharte (2.777 m) zurück zur Dortmunder Hütte. Wem das nicht genug war, nahm zusätzlich den Sulzkogel (3.016 m) mit. Das waren dann stattliche 1.900 Höhenmeter im Aufstieg und eine Gesamtgehzeit von rund neun Stunden. 

Das Sellrain präsentierte sich während der gesamten Tour als ursprüngliche und beeindruckende Berglandschaft mit hervorragender Hütteninfrastruktur und schier unzähligen Tourenvarianten. Kurz gesagt: eine Gegend, die es einem leicht macht, schon auf dem Heimweg über den nächsten Besuch nachzudenken.

Vieles spricht dafür, dass es 2027 wieder eine Twin-Tour geben wird. Dann vermutlich im Obernbergtal und mit Talunterkunft. Denn so groß die Begeisterung für das Hüttenleben auch war: 18 Personen in einem Lager können die persönliche Komfortzone gelegentlich mindestens genauso herausfordern wie ein steiler Schlussanstieg.

Stephan & Martin