Wanderer:innen | © DAV Dortmund

Wanderfastenwoche

Eine Woche mit Rucksack, Wanderschuhen und ohne gewohnte Sicherheiten.

07.03.2026

Am ersten Tag standen wir nebeneinander auf dem Parkplatz am Waldrand.

Wir kannten uns kaum.

Ein paar vorsichtige Blicke, ein Lächeln hier, ein kurzes Nicken dort.

Am ersten Tag standen wir nebeneinander auf dem Parkplatz am Waldrand.

Wir kannten uns kaum.

Ein paar vorsichtige Blicke, ein Lächeln hier, ein kurzes Nicken dort.

 

Wir hatten unterschiedliche Gründe, hier zu sein.

Die einen wollte Klarheit.

Der andere Abstand vom Alltag.

Jemand suchte Stille.

Jemand Mut.

Jemand sein Gewicht zu optimieren

 

Und doch standen wir nun gemeinsam da, die Fastenwoche – mit Rucksack, Wanderschuhen und einer Woche ohne gewohnte Sicherheiten.

 

Der Weg begann sanft.

Ein breiter Forstweg führte in den Wald hinein.

Das Licht fiel schräg durch die Bäume, die Luft war kühl, der Boden noch feucht vom Tau.

 

Am ersten Tag sprachen wir viel.

Über Arbeit.

Über Familie.

Über warum wir hier waren.

Am zweiten Tag wurde es stiller.

Die Gespräche versiegten zwischendurch.

Der Körper begann sich zu melden.

Manche Schritte wurden schwerer.

 

Es war nicht nur das Gehen.

Es war auch das Weglassen.

Der gewohnte Kaffee fehlte.

Das schnelle Brötchen zwischendurch.

Die kleinen Ablenkungen.

 

Stattdessen:

Schritte.

Atem.

Wind in den Bäumen.

 

Am dritten Tag führte der Weg steiler bergauf.

Die Gruppe zog sich auseinander.

Jeder ging in seinem eigenen Rhythmus.

 

Vor einer besonders langen Steigung blieb ein Teilnehmer stehen.

„Ich weiß nicht, ob ich das heute schaffe“, sagte er leise.

 

Ein Gruppenmitglied hinter ihm antwortete:

„Dann gehen wir eben langsamer.“

 

Und so geschah es.

Nicht schneller.

Nicht ehrgeiziger.

Sondern miteinander.

 

Oben angekommen, warteten die Ersten bereits.

Keiner klatschte.

Keiner jubelte laut.

 

Aber in den Blicken lag etwas Neues.

Respekt.

Verbundenheit.

Am fünften Tag war das Hungergefühl nicht mehr da.

Der Weg war da, mit viel Sonne die uns verwöhnte.

 

Wir rückten enger zusammen.

Nicht aus Angst – sondern aus Achtsamkeit.

 

Und während wir so gingen, merkten wir etwas:

Der Weg war nicht nur da draußen.

Er verlief auch in ihnen.

 

Jeder Schritt löste etwas.

Ein Gedanke wurde klarer.

Eine alte Sorge leiser.

Ein innerer Druck weicher.

 

Am nächsten Tag erreichten wir einen See.

Die Sonne war mit ihrem Wärmen da.

Vor uns lag ein glitzernder See umrahmt vom Wald.

 

Wir stellten unsere Rucksäcke ab.

Setzten uns ins Gras.

 

Niemand sagte sofort etwas.

 

Wir waren nicht mehr dieselben wie am Parkplatz am Anfang zuvor.

Nicht völlig verwandelt.

Nicht schwerelos.

 

Aber geerdeter.

Wacher.

Miteinander vertrauter.

 

Einer aus der Gruppe sagte schließlich:

„Komisch. Ich dachte, wir suchen hier etwas.

Aber eigentlich hat der Weg uns gefunden.“

 

Und vielleicht stimmte das.

 

Denn der Weg hatte uns gezeigt,

dass man nicht alles alleine tragen muss.

Dass Langsamkeit Stärke sein kann.

Dass Verzicht Raum schafft.

Und dass Gemeinschaft trägt – auch bergauf.

Als wir unsere Rucksäcke wieder aufsetzten, waren sie nicht leichter als am ersten Tag.

Aber sie fühlten sich leichter an.

 

Und als wir zurückgingen – in unser jeweiliges Leben –

nahmen wir etwas mit, das wir nicht wiegen können.

 

Das Wissen,

dass wir Wege gehen können.

Schritt für Schritt.

Mit Atem.

Mit Vertrauen.

Und – wenn nötig – miteinander.

 

Vielleicht ist diese Woche kein Ausbruch aus dem Leben.

Vielleicht ist sie eine Erinnerung:

 

Dass wir gehen können.

Dass wir tragen können.

Dass wir loslassen können.

Und dass wir nicht allein unterwegs sind.